Skip to main content Skip to page footer

Sandra, „PingPongParkinson“

Sandra Unterstützerin der Landesleitung PingPongParkinson Berlin und Umland

Die Stützpunkt- Gruppe hat in der Mariannenarena ein Zuhause gefunden. Sandras unermüdliches Engagement war entscheidend für die Entstehung dieses wertvollen Angebots. Seit Januar 2024 treffen sich die Mitglieder jeden Sonntag in der Mariannenarena und haben eine lebendige Gemeinschaft gebildet. Das Motto von PingPongParkinson „Runter vom Sofa, ran an die Platte“ motiviert alle, aktiv zu werden und gemeinsam Spaß am Tischtennis zu haben.

Neben dem Sport spielt der Selbsthilfeaspekt eine wichtige Rolle. Nach dem Spiel gehen die Teilnehmer*innen ins Café, um sich auszutauschen. So entsteht ein starkes Netzwerk, das Unterstützung bietet. Freundschaften entwickeln sich, und Ehrenamtliche tragen wesentlich zur Gemeinschaft bei.

Pfeffersport:

Erzähl uns bitte von deiner Arbeit bei Pfeffersport.

Sandra:

Ich spiele seit Januar 2024 Tischtennis bei Pfeffersport und leite zusammen mit Stefan Dürr den PingPongParkinson-Stützpunkt in Kreuzberg. Momentan bin ich hauptsächlich im organisatorischen Bereich aktiv und Stefan ist der Trainingsmeister vor Ort.

Sport hat mir geholfen, wieder ins Leben zurückzufinden, indem er nicht nur körperliche Betätigung bietet, sondern auch soziale Kontakte und Freude – essentielle Elemente für mein Wohlbefinden. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und die Bedeutung des Sports in ihrem Leben betonen. Schon immer hatte ich eine besondere Verbindung zu Ballsportarten und spielte bis zu meiner Erkrankung Fußball im Verein, überwiegend als Torwärtin. Nach einer langen Phase der Inaktivität aufgrund meiner neurologischen Multisystemerkrankung fand ich durch virtuelle Sportangebote und Online-Selbsthilfegruppen wieder zurück zum Sport. Im Sommer 2021 wurde ich auf PingPongParkinson aufmerksam gemacht und begann seitdem regelmäßig Tischtennis zu spielen.

Pfeffersport:

Was kann man sich unter PingPongParkinson vorstellen?

Sandra:

PingPongParkinson Deutschland e.V. ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Parkinson an möglichst vielen Orten das Tischtennisspielen zu ermöglichen. Derzeit gibt es über 250 Stützpunkte in Deutschland, darunter 19 in Berlin und Umgebung (www.pingpongparkinson.de/berlin), wo etwa 250 Menschen – sowohl mit als auch ohne Parkinson – aktiv spielen können. Die Bewegung hat internationale Dimensionen angenommen. Sie wurde von Nenad Bach in den USA ins Leben gerufen und zieht mittlerweile Teilnehmer*innen aus über 25 Nationen zu jährlichen Weltmeisterschaften an.

Pfeffersport:

Was macht PingPongParkinson besonders?

Sandra:

PingPongParkinson ist nicht nur ein Verein, sondern eine weltweite Bewegung mit Vorbildcharakter. Der Verein hat schnell an Popularität gewonnen und kooperiert mit verschiedenen Institutionen wie Sportvereinen, Kliniken und Wissenschaftseinrichtungen. Er spricht vor allem Menschen an, die in irgendeiner Form von Parkinson betroffen sind, fördert jedoch auch die Integration gesunder Menschen sowie Personen mit anderen Erkrankungen. Diese Vielfalt trägt dazu bei, das Wissen über Parkinson und andere Einschränkungen in der Gesellschaft zu verbreiten.

Pfeffersport:

Dürfen alle zur Sportgruppe in Kreuzberg kommen?

Sandra:

Ja, alle sind herzlich willkommen! Aktuell haben wir noch Kapazitäten für neue Mitglieder. Allerdings können wir leider keine Verantwortung für Kinder übernehmen. Innerhalb von PingPongParkinson gibt es jedoch spezielle Veranstaltungen, die ausschließlich für Menschen mit Parkinson gedacht sind, wie beispielsweise unsere STADA-Cups (Tischtennisturniere).

Pfeffersport:

Warum verfolgt ihr diesen inklusiven Ansatz?

Sandra:

Der inklusive Ansatz von PingPongParkinson nutzt bestehende Strukturen von Sportvereinen, um Barrieren abzubauen und Inklusion zu fördern. Dies ermöglicht uns nicht nur eine effizientere Nutzung von vorhandenen Ressourcen wie Hallenzeiten und Equipment, sondern schafft auch eine integrative Gemeinschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen können.

Pfeffersport:

Welche Barrieren siehst du im Sport?

Sandra:

Für mich persönlich bestehen Barrieren im Sport hauptsächlich in physischer Form – etwa beim Transport zu den Sportmöglichkeiten oder durch infrastrukturelle Hindernisse wie Treppen. Glücklicherweise habe ich im sportlichen Umfeld bisher keine diskriminierenden Erfahrungen gemacht.

Pfeffersport:

Erlebst du Barrieren in den Köpfen der Menschen?

Sandra:

Definitiv. Es gibt immer wieder unerwartete Situationen, in denen passende Antworten auf dumme Sprüche schwerfallen. Von Kommentaren, die einen alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss darstellen, bis hin zu Ignoranz im öffentlichen Nahverkehr oder absurden Vorschlägen, wie einen Rollstuhl statt eines Liegedreirads zu benutzen, ist alles dabei. Auch Situationen wie die Verweigerung des Schlüssel zum Behinderten-WC trotz Schwerbehindertenausweis gehören dazu.

Mit Blicken kann ich leben, da ich sie aufgrund meiner Schwierigkeiten, den Kopf aufrecht zu halten, oft gar nicht wahrnehme. Menschliche Neugier ist verständlich, Gaffen hingegen unangenehm. Ich wünschte mir, dass Menschen einfach nachfragen, wenn ihr Interesse groß ist. Meine Reaktionen auf unangenehme Momente hängen von der Situation und meiner Tagesform ab – von Verstummen bis zu Beschwerden und der Zuhilfenahme von Behindertenbeauftragten war bisher vieles dabei.

Grundsätzlich sollten wir alle versuchen, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, sondern neugierig und offen die Hintergründe einer Situation oder Person zu verstehen. Ein respektvoller Umgang schafft nicht nur Barrieren in den Köpfen ab, sondern fördert auch das Miteinander in allen Lebensbereichen. 

Pfeffersport:

Warum bist du Botschafterin für die Kampagne „Mission Inklusion“?

Sandra:

Ich wurde gefragt, ob ich Botschafterin werden möchte, und sehe die Notwendigkeit, das Bewusstsein für Inklusion zu stärken – insbesondere hinsichtlich ihrer Bedeutung im Alltag und im Sport. Wenn ich dazu beitragen kann, tue ich das gerne.

Unter Inklusion im und durch Sport verstehen viele den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Einschränkungen. Mit der Kampagne ‚Mission Inklusion‘ möchten wir verdeutlichen, dass Pfeffersport ein breites Verständnis von Vielfalt fördert. 

Wir sind alle gleichwertig, und dennoch trägt jeder von uns eine einzigartige Mischung aus Erfahrungen, kulturellen Prägungen und persönlichen Hintergründen in sich. Unsere Unterschiede – seien sie in Bezug auf Wissen, Herkunft, soziale Perspektiven oder Lebensumstände – machen es nahezu unmöglich, jeden Menschen perfekt seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend zu behandeln. Umso wichtiger ist es, eine Haltung der Offenheit, des Respekts und der Toleranz zu bewahren.

Natürlich können Missverständnisse oder unangenehme Situationen auftreten, da niemand in der Lage ist, die Komplexität und Einzigartigkeit jeder Person vollständig zu erfassen. Es ist unrealistisch, von jedem zu erwarten, alle Hintergründe zu kennen und zu verstehen. Aber was wir alle tun können – und was auch entscheidend ist – ist, uns gegenseitig mit Verständnis zu begegnen. Diese Haltung ermöglicht es, Barrieren abzubauen, sowohl in unseren Köpfen als auch im Alltag.

Ein offener Dialog spielt dabei eine zentrale Rolle. Indem wir miteinander reden, lernen wir voneinander und können Vorurteile und Missverständnisse überwinden. Dies ist nicht nur für den Umgang mit Menschen mit Behinderungen von Bedeutung, sondern in allen Bereichen des Lebens. Denn Respekt und Empathie schaffen die Grundlage für ein harmonisches und wertschätzendes Miteinander – unabhängig von den individuellen Unterschieden.