Mike und Tom, Trainer „Queerfitness“
Unsere Queerfitness-Gruppe verdankt ihren Erfolg dem engagierten Übungsleitungs-Team Mike Zenzen und Tom Weller. Tom hat die Gruppe vor 15 Jahren in der Mariannenarena gegründet und damit einen wichtigen Raum für queere Sportler*innen geschaffen. Seitdem wird hier mittwochs und freitags gemeinsam trainiert und geschwitzt.
Mike nimmt seit 2013 an der Gruppe teil, ist seit September 2021 ebenfalls als Übungsleitung aktiv. Gemeinsam sorgen sie für ein abwechslungsreiches Training und eine herzliche Atmosphäre, die die Gruppe seit Jahren so beliebt und stabil macht. Mike konnten wir als Gesicht unserer Kampagne gewinnen. In einem Interview haben wir beide porträtiert, denn zusammen sind sie Herz und Seele dieses Angebotes und bringen viel Wissen und Erfahrung in Theorie und Praxis queeren Sports mit.
Pfeffersport:
Was kann man sich unter dem Angebot Queerfitness vorstellen? Was meint ihr mit „queer“?
Tom & Mike:
Queerfitness ist ein inklusives Sportangebot für die LSBTIQ*+ Community und alle anderen, die sich in einem diskriminierungsarmen Umfeld bewegen möchten. Mit „queer“ meinen wir eine Vielfalt an Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen, die über traditionelle Normen hinausgehen. Queerfitness ist ein Raum, in dem negative Erfahrungen mit Sport abgebaut und eine unterstützende Gemeinschaft gefördert werden.
Pfeffersport:
Tom, du hast das Angebot vor 15 Jahren initiiert. Es gibt einige Sportler*innen die von Anfang an dabei sind.Warum habt ihr euch entschieden, ein spezielles Angebot für queere Personen zu machen? Warum braucht es solche Angebote heute noch?
Tom:
Wir haben festgestellt, dass viele queere Menschen im Sport Diskriminierung erfahren. Daher braucht es geschützte Räume, in denen sie ihre Identität ohne Angst ausleben können. Trotz gesellschaftlicher Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen wie diskriminierende Äußerungen oder Probleme mit Umkleide-Situationen, die solche Angebote notwendig machen. Auch bei Pfeffersport hat sich erst über Jahre eine zunehmende Sensibilisierung entwickelt, an der hoffentlich in der Zukunft weiter gearbeitet wird, denn die Aufmerksamkeit auf queere Menschen sollte überall im Verein vorhanden sein. Es gibt Geschlechterstereotype, die Menschen in ihrer Entfaltung einschränken. Es gibt selbstverständlich auch queere Kinder, die mit Sicherheit auch in den vielen Kinder- und Jugendgruppen bei Pfeffersport anzutreffen sind und die sich ja auch willkommen und akzeptiert fühlen wollen.
Mike:
Außerdem ist es wichtig, dass für solche Fortschritte der gesamte Verein und nicht die diskriminierte Gruppe die Verantwortung übernimmt. Diese sind sowieso schon mehr belastet.
Pfeffersport:
Was ist euch wichtig in Bezug auf Stimmung und Haltung in eurer Gruppe? Was ist das Besondere, warum Menschen gerne zu euch kommen?
Tom & Mike:
Uns ist eine respektvolle und unterstützende Atmosphäre wichtig, die wir aktiv gestalten und in der wir bereit sind, uns immer wieder neu auszurichten. Offene Kommunikation ist dabei essentiell. Wir greifen sofort ein, wenn unangebrachtes Verhalten auftritt. Sport kann Menschen stärken. Aber häufig gibt es im Sport auch einen Fokus auf Körpernormen oder auf Leistungen wie “Höher, Schneller, Weiter”. Und manche haben schlechte Erfahrungen mit Schulsport gemacht und sind traumatisiert. Wir sind sensibel für Verletzlichkeiten und erkennen außerdem an, dass „queer“ von jedem anders definiert wird. Gleichzeitig gestehen wir uns ein, dass wir selbst nicht perfekt sind. Deshalb setzen wir auf Fehlerfreundlichkeit und Lernbereitschaft, um Diskriminierung abzubauen und sicherzustellen, dass Menschen bei uns weitgehend gute und bestärkende Erfahrungen machen. Im Kern geht es bei Queerfitness darum, einen sicheren und inklusiven Raum für alle zu schaffen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Um dies zu erreichen, berücksichtigen wir die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden und fördern aktiv eine positive Gruppenkultur. Wir sind davon überzeugt, dass Fortbildungen und Offenheit für neue Erfahrungen entscheidend sind, um eine nachhaltig respektvolle und inklusive Sportumgebung zu schaffen.
Pfeffersport:
Was können Übungsleiter*innen tun, um eine Wohlfühlatmosphäre für queere Sportler*innen zu schaffen?
Tom & Mike:
Übungsleiter*innen sollten ein diskriminierungssensibles Verhalten entwickeln und sich ihrer eigenen Erfahrungen und deren Einfluss bewusst sein. Sie sollten die Gruppendynamik beobachten und auf diejenigen achten, die sich möglicherweise unwohl fühlen. Offenheit für Feedback und Fehlerfreundlichkeit sind ebenfalls wichtig. Übungsleite*rinnen sollten die Charta für geschlechtliche Vielfalt kennen und in die Praxis eingehen lassen. Besonders wichtig ist es, spezifisch auf die Bedürfnisse von Transpersonen einzugehen.
Pfeffersport:
Tom, was sollten wir über die Charta für geschlechtliche Vielfalt wissen?
Tom:
Die Charta setzt sich mit den Bedürfnissen von TIN-Personen (Trans, Inter, Non-Binary) im Sport auseinander und bietet Informationen zu Hallen- und Umkleidesituationen, sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Sie ist eine wertvolle Ressource für Übungsleiter*innen. Vereine sollten die Charta unterschreiben, um ein Zeichen für Inklusion zu setzen. Pfeffersport sollte sie unterschreiben, denn dies ist auch ein Signal nach außen, dass das Thema behandelt und ernst genommen wird.
Pfeffersport:
Mike, was ist deine Motivation im Botschafter*innen-Team der Kampagne Mission Inklusion mitzumachen?
Mike:
Mir ist es wichtig, als queere Person für mehr Sichtbarkeit im Sport zu sorgen und auch darauf aufmerksam zu machen, dass es Angebote für queere Menschen gibt. Inklusion betrifft alle marginalisierten Gruppen und mir gefällt, dass es bei Pfeffersport einen sehr weit gefassten Inklusionsbegriff gibt und diese Idee trage ich als Botschafter*in gerne in die Öffentlichkeit.